Geschichte.
Vor mehr als 100 Jahren ratterte die Muottas Muragl Bahn das erste Mal in die waghalsige Schräge. 2201 Meter Länge und an die 56% Neigung galt es bis auf die 2456 Meter des Berges zu überstehen. Da blieb den ersten Passagieren natürlich die Luft weg, was angesichts der Rundum-Kulisse eine Weile gedauert haben dürfte. Dank mutiger Pioniere können wir den «Göttersitz» bis heute ohne Schweiss und Blasen betreten und Dolce Vista betreiben.
Aber– was war eigentlich dazwischen? Eine bewegende Geschichte:
| 1890 | Erstmals macht der Churer Ingenieur Wildberger mit der Idee einer Bergbahn von sich reden. |
| 1904 | Ingenieur Jos Englert konzipiert das Projekt, und die AG Drahtseilbahn Muottas Muragl wird gegründet. Ein Blick in die Planung zeigt: CHF 800’000.– Projektkosten, 1144 Personen Förderkapazität pro Tag und Richtung mit einer 52er-Kabine, Betriebszeit nur im Sommer während 8 Wochen, davon 6 Tage pro Woche. Ticketkosten: Bergfahrt CHF 3.–, Hunde CHF 1.–. |
| 04.05.1905 | Spatenstich! Das Hüttenmaterial wird mit Maultieren auf den Berg getragen. Die Italiener unter den 350 Arbeitern lassen sich vom frühen Schnee im September abschrecken und drohen mit der Abreise. |
| Frühling 1906 | Nach Baustopp im Winter geht es endlich weiter. Auch für einen Direktor, der nun für ein Jahresgehalt von CHF 4000.- inklusive Wohnung und 50 Zentner Kohle, die Geschicke lenkt. |
| Februar 1907 | Simon Jenatsch, Heimatschützer und Nachkomme von Jürg Jenatsch, verübt ein Attentat auf die Bahn. Mit einem Hammer zerstört er die Bremsstation. Sein Vorhaben, die Station anzuzünden, kann verhindert werden. |
| 09.08.1907 | Jungfernfahrt nach über einem Jahr Bauverzögerung. Die Standseilbahn erschliesst als erste Bergbahn Graubündens einen Aussichtsberg. Tatsächliche Baukosten: CHF 1,2 Mio. – Kostenüberschreitung von 50%! Kondukteure finden sich mit CHF 150.–, Maschinisten mit CHF 175.– in den Monatslohnlisten. |
| Winter 1908/09 | Auf Wunsch der Gäste und der Hotellerie bringt die Aufnahme des Winterbetriebes nach schlechten Sommererträgen die ersten Skifahrer auf den Berg. |
| 20er-Jahre |
Nach dem Überlebenskampf im Ersten Weltkrieg und einer Sanierung der Haupt- und Südfassade des Hotels, verbunden mit Maler-, Spengler- und Dachdeckerarbeiten, waren auch die grösseren Investitionsarbeiten der 20er Jahre abgeschlossen und das Hotel erstrahlte nun wieder in neuem Glanz. |
| 1928–1935 | Mit dem Bau der Corviglia-Bahn und des Suvretta-Bügellifts entstehen erste Konkurrenzbetriebe im Tal. |
| 1939 | Die Bahn muss durch den Zweiten Weltkrieg herbe finanzielle Rückschläge verkraften. Nur dank der Bereitschaft des Personals, auf 25 % ihres Lohnes zu verzichten, kann ein reduzierter Betrieb aufrechterhalten werden. |
| 50er- und 60er-Jahre | Bergbahnen-Bauboom im Engadin! Piz Nair, Diavolezza, Marguns, Corvatsch und Lagalb reichen Konzessionsgesuche ein. Die Verantwortlichen der Muottas-Muragl-Bahn wehren sich vergebens gegen die Zulassung von Piz Nair und Diavolezza. |
| Winter 1963/64 | Ski heil! Der erste Skilift surrt auf Muottas Muragl. |
| Winter 1972 | Erhöhung der Kapazität durch Lift Nummer zwei. Trotzdem kann man sich nur schwer gegen die Konkurrenz der anderen Skigebiete durchsetzen. |
| Herbst 1985 | Umbau und Erneuerungen am Bergrestaurant. |
| 90er-Jahre |
Überholung des Bahntrassees und der Standseilbahn. |
| 1994 | Der Philosophenweg frischt die Angebotspaltte auf. |
| 1997 | Mit der 4,2 Kilometer langen Schlittelbahn erhält die Bahn einen weiteren attraktiven Neuzugang. |
| Sommer 2007 | 100 Jahre Bahngeschichte! Grosse Jubiläumsfeierlichkeiten, eine Buchpublikation und die Einweihung der Skulptur «Il Guot» (Der Tropfen) des Künstlers Timo Lindner markieren den Geburtstag. |
| 2009/10 | Umbau und komplette Renovierung des Berghotels Muottas Muragl. |
| 18.12.2010 | Wiedereröffnung des romantischen Berghotels Muottas Muragl. |
